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Full text of "Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst"

vi 



EISTERSTÜCKE 



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Twöitsrt 



lÖTE-H ÄSEN BALG 



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rote-Hasenbalg, We/Meisterstucke Orient 

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r WILLIAWEÄ3WN £] 



INHALTS -VERZEICHNIS 

MAPPE I 



KLEINASIEN 
Teppich aus Giordes 
Gebetteppich aus Giordes 

11 f 55 55 

Alttürkischer Gebetteppich aus Kula (sog. Ko- 

lonnenladilO 

Gebetteppich aus Kula (sog. Friedhofteppich) 

Amitotischer Saph oder Familiengebetteppich 

(Mudjur) 

Gebetteppich aus Ladik 

Kleinasiatischer Gebetteppich (sog. Uschak. auch 

Siebenbürgen) 

Kleinasiatischer Teppich (Bergamo) 

55 55 n 

Teppich aus dem nordwestlichen Kleinasien 

(Bergamo, auch Yürük) 

Teppich aus dem östlichen Kleinasien (Bergamo) 

KAUKASUS 
Teppich aus dem südlichen Kaukasus(Gendscheh) 
Teppich a. d. nordöstl. Kaukasus (sog.Tschetschi) 
Teppich :i. dem südl. Kaukasus (Seichur od. Kuba) 
Gewirkter kaukasischer Teppich (sog. Sumakh) 
Teppich aus der Moghansteppe 
Teppich aus denn Karabaghdistrikt (Schuscha) 

NORDPERSIEN 
Nordpersischer Kurdenteppich (Bidjar) 



Nordwestpersischer Nomadenteppich (Mossul) 

Nordpersischer Kelim (Senne) 

MITTELPERSIEN 
Teppich aus Mittelpersien (Hamadun-Mianeh) 
Mittelpers. Teppich (Hamadan, sog. Serabend) 
Mittelpersischer Teppich (sog. Mir) 
(Ferahan) 

(sog. Dschouschegan) 






1 


Tafel 1(9] 


V 


55 2 (lo^ 


1 


55 3(n; 
55 4(12) 




55 5 (13) 
55 6(15) 


1 


„ 7(5] 
„ 8(4; 


1 


55 9 (17) 
55 10 (18; 

55 11 (i9> 


1 


:♦: 
:♦: 


„ 12 (22^ 


j 


Tafel 13 (29' 
55 14 (31! 
55 15 (32 
55 16 (35) 

5, 17(3« 
„ 18 (42 


i 


Tafel 19 (45; 
„ 20 (46 
55 21 (47; 
„ 22 (51 

5, 23 (52 

55 24 (53) 


i 


Tafel 25 (55] 
„ 26 (56] 


1 


55 27 (57 
„ 28 (58 
5- 29 (59 
„ 50 (61 
5, 31 (V 



M<£iPtC^@£5*C^<ai2>«C-^©=£*C^@£3»C^@iP»C^ 



J//T yfj-o. 



(F Tafel 52 (64) Südwestpersischer Teppich (Suitanabad) 

7) 5J 53 ( 66 ) Satteldecke aus Südwestpersien (Kirmanschah) 

J SÜDOSTPERSIEN 

* Tafel 54 ( 68 ) Südostpersischer Teppich (Kirman) 

| SÜDPERSIEN 

% Tafel 35 ( 69 ) Südpersischer Nomadenteppich (Kaschkai) 

1 „ 36 ( 70 ) „ „ (Schiraz- oder 

K Mekkateppich) 

// n 37 (7 1 ) Südpersischer Nomadenteppich (Schiraz- oder 

® Mekkateppich) 

J OSTPERSIEN 

g Tafel 38 ( 73 ) Ostpersischer Teppich (Khorassan-Khain) 

\ » 39 ( 74 ) » 

« „ 40 ( 75 ) „ „ (Khorassan) 

I »4M77) » » (Herat) 

tt „ 42 ( 78 ) „ „ (Khorassan) 

| TRANSKASPIEN 

I Tafel 45 (80) Teppich der Teke-Turkmenen (sogen. Bokhara) 

„ 44 ( 82 ) Zjelttasche der Teke-Turkmenen 
„ 45 ( 86 ) Turkmenenteppich, Pendeh (sog. Kisil-Ayak) 
„ 46(88) Teppich der Yoinndturkmenen 
„ 47 (91 ) 1. Zelttasche der Tschaudoren (Khiwa) 
2. Turkmen'enzelttasche (Torba) 
48(95) Turkmenenteppich (Afghan) 
49(9-) Turkmenischer Teppich (Beludschistan) 
5° ( 9.9 ) Bokharischer Teppich (Herati-Beschir) 

51 (100) .. .. (Wolkenband - Beschir) 

52 (101) .. .. (Beschir) 

53 ( 102 ) ij Gebetteppich (Beschir) 
» 54 ( 10 o) Kirgisenteppich 

OSTTU i; K l.STW 
Tafel 55 (107) Kaschgar-Teppich (sog. Samarkand) 

.. 56 (im) 

.. 57(1") 

58(112) Reihengebetteppich ans Kaschgar 

,i) (11-) Kaschgar-Teppich (Sog. Samarkand 

i)u(ii|.) Seidenteppich aus Kaschgar 



MJe K'-i 1 1 1 1- .ml l uxl n. Vbbildungen, Insbesondere das dei I bersetzung, 
ehalten Copyright igai bj Scarabaeus- Verlag G.m.b.H., Berlin V\ JS 



i<fc£ *C=5>fe3«CifiHfeP»Ci^>(ii<P«C^S(fei3K5^<EiP»C^<SiP»C^ 




Größe ca. 1,20x1,80. Alter 18. Jahrh. ca. 1500 Knoten auf Cdcm 

Mappe I Kleinasien Tafel i (9) 

Gebetteppich aus Giordes 



Mappe I Tafel i (9) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingcn 

Werner Grote-Hasenbalq; 



Die Giordestcppiche haben den Sammeleifer in weiteren 
Kreisen der gebildeten Laien geweckt, trotzdem nur 
Stücke als Nachbildungen der türkischen Hofmanufaktur 

Hen Sammelwert haben. Auch haben sie ihren ei 
Charakter nicht in demselben Maße, wie der Ti 
Mappe II, Tafel 6, bewahrt. 

t noch das Wolkenband in dem Streifen 
über den Zwickeln, die die Gebetnische nach o! i 
i. In der Borte erkennen wir grüne Hyazinth. 
im 17. Jahrhu Türkei oft verw 

und die von Lanzettblättern um ; 

teppiche aus noch späterer Zeit lassen meist alles 
vermissen, was diesen Teppichen Wert verli iht, und wir 

d »nn ganz si r, z . B. in die 1 

uincinh 1 neu, die den Verfall am besten 

n nicht mehr di 
türkischen Teppichen 
gewohnt sind. 

Ältere Stücke sind in Zwickeln gearbeitet, was man auf 
ihm Rückseite erkennen kann. Kette und SchuB bestehen 
aus Wolle, bei späteren Stücken teilweise aus Baum' 





Größe ca. 1,20x1,80. Alter iS. Jahrh. ca. 1400 Knoten auf Ddcm 

Mappe I Kleinasien Tafel 2 (10) 

Gebetteppich aus Giordes 

Besitzer: Herr Kommerzienrat Held. Berlin 



Mappe I Tafel 2 (10) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Octtingen 
von 

Werner Grote-Hasenbaljr 



DieGiordesteppichcmit weißer Gebetnische nennt der Han- 
del „Basra-Giordes". Sie sind zur Zeit der Wiener Teppich - 
ausstellung 1S91 noch sehr häufig gewesen und waren da- 
mals für vier- bis fünfhundert Mark zu haben. Diese Zeiten 
sind längst vorüber, und im Handel kommen bessere Stücke 
heute nur selten vor. 

Meist sind sie dann stark und schlecht durchrepariert, und 
besonders die Gebetnische ist oft vollkommen ergänzt, was 
die Stücke fast wertlos macht. Bei schonungsloser Behand- 
lung wurden sie zu sehr der täglichen Benutzung ausgesetzt 
und sind auf diese Weise rasch verbraucht worden. 

Eine Nachbildung dieser Teppichklasse sind die sogenann- 
ten „Pandermas", die moderne und meist schlechte Kopien 
alter Stücke sind und, oft mit Eisenfeilspäncn und Lötlampe 
künstlich alt gemacht, durch hausierende Händler als uralt 
zu phantastischen Preisen mit gutem Erfolge an den Mann 
gebracht werden. 

Zu unterscheiden sind die Pandcrmas von den echten 
Giordcs dadurch, daß sie meist eine viel feinere Knüpfung 
zeigen als die Originale nnd begreiflicherwc ise in der Struk- 
tur viel fester sind, feiner durch die Pari ich, die viel matter 
und süßliche) wirken, dasie, meist« □ ;mil gn lli d, chemischen 
Farbmitteln erzeugt, einer Chlorwäsche unterzogen sind. 



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Größe ca. 1,20x1,80. Alter 18. Jahrh. ca. 1500 Knoten auf .dem 

Mappe I Kleinasien Tafel 3 (n) 

Gebetteppich aus Giordes 

Besitzer: Herr Kommerzienrat Held, Berlin 



Mappe I Tafel 3(11) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 

von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Die älteren Gebetteppiche sind meistens harmonisch auf 
einen Grundton abgestimmt. Das kühle Blau des Ge- 
bctfeldcs erscheint hier — durch das feste Rahmenwerk 
der Siitcnborten vertieft — wie der weite, blaue Himmel, 
durch eine Nische gesehen. 

Das Hauptmotiv der Borte, in der wir wieder als haupt- 
sächliche Blumen die Nelke und die Tulpe erkennen, ist aus 
Fayencen und Kacheln derselben Zeit entlehnt und klingt 
an die Saratwebereien der italienischen Renaissance an. 

Auch dieses Motiv ist in späteren Stücken bis zur Un- 
kenntlichkeit verstümmelt. 



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Größe ca. 1,20x1,80. Alter um 1700. ca. 1300 Knoten auf dem 



Mappe I 



Kleinasien 



Tafel 4 (12) 



Alttürkischer Gebetteppich aus Kula 
(sog. Kolonnenladik) 



Mappe I Tafel 4 (12) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Die sogenannten, recht seltenen Kolonnenladiks sind, was 

Aufbau und Flächeneinteilung anlangt, die gelungensten 

unter den kleinasiatischen Gebetteppichen aus der nicht 

klassischen Zeit. 

Sie sind wie die alten Giordes- und Melasteppichc in 
Zwickeln gearbeitet. 

In den Füllungen der von feinen Säulen getragenen Gebet- 
nische zeigt dieser Teppich noch reine Arabeskenblatter. 

Über die Kartuschen der Borte vgl. Mappe II Tafel 8. 

Das Typische für den Kulateppich sind die die Hauptborte 

begleitenden Seitcnbörtchcn (vgl. innerstes Seitenbörtchen 

des folgenden Teppichs). 

In der Zeichnung sehr verwandte Gebetteppiche wurden 
in Anatolien auch noch später hergestellt; doch entsprechen 
ie weder in Farbenzusammenstellung noch Struktur des 
1 ;< .1 i i und in \\ iedi rg ibe der Motive dem vorliegenden 
Original. 



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Größe ca. 1,30 x 1,90. Alter 1 Hälfte 19. Jahrh. ca. 1000 Knoten auf C dem 

Mappe I Kleinasien Tafel 5 (13) 

Gebetteppich aus Kula (sog. Friedhofteppich) 



Mappe I Tafel 5 (13) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 

von 

Werner Grote-Hasenbal? 



In den späteren Kulateppichen wird oft in der Nische der 

Friedhof der Orientalen mit der Zypresse als Lebensbaum 

dargestellt. 

Trotzdem von alter Tradition in den Mustern dieser Kulas 
wenig mehr zu merken ist, und ihre Borten direkt lang- 
weilig genannt werden können, wirken sie in unseren 
Wohnräumen durch ihre milde und neutrale, fast unorien- 
talische Farbengebung oft vorzüglich. 

In ihrer Farbenstimmung, in der Dunkel- und Hellblau in 

Verbindung mit einem bräunlichen Altgoldton vorherrschen, 

erinnern sie an alte, verblaßte Gobelins. 

Die Darstellung des Friedhofs findet sich auch auf anderen 
anatolischen Gebetteppichen des späten 19. Jahrhunderts 
sehr viel gröber wieder. Hierdurch und durch die weinrote 
Farbe, zusammen mit grellem Grün, sind diese unschön 
und wertlos. 



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Mappe I Tafel 6 (15) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



In der Anlage dieses Stückes finden wir dieselbe Eintei- 
lung der Gebetnischen in Reihen wie bei Tafel 58. Trotz- 
dem die Herkunftsorte dieser beiden Teppicharten weit 
voneinander entfernt liegen, sind sie sich wohl infolge 
ehemaliger Handelsbeziehungen sehr ähnlich. 

In dem vorliegenden Türkenteppich ist jedoch das größere 

Gewicht nicht auf die Zeichnung, sondern auf malerische 

Farbenverteilung gelegt. 

Das Stück stellt einen Familiengebetteppich dar, wie sie 

sich heute sehr zahlreich in den Moscheen der Türkei 

finden. 

Muster und Knüpfung sind beim Mudjur nicht bemerkens- 
wert. 

Wegen der nach einer Schmalseite hin orientierten Zeich- 
nung eignen sich diese Teppiche weniger zu Läufern im 
gewöhnlichen Sinne als vielmehr zum Abschluß vor er- 
höhten Zimmerteilrn oder großen Möbeln. 

[>ir Borte ist für diese Teppichklasse typisch. 



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Größe ca. 1,10x1,50. Alter Ende 18. Jahrh. ca. 1300 Knoten auf i_dcm 

Mappe I Kleinasien Tafel 7 (5) 

Gebetteppich aus Ladik 

Besitzer: Herr Dr. Ramsay, New York 



Mappe I Tafel 7 (5) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Octtingen 
von 

Wörner Grote-Hasenbalg 



l i älteren Ladikteppiche unterscheiden sich von den üb- 
rigen türkischen C.cbelteppichen durch ihre eisenharte 
Struktur, die in Stücken aus späterer Zeit sehr nachläßt, 
und durch ihre leuchtenden Fai 

Neben einem prachtvollen Krapprot finden wir hier i i i 

besonders leuchtendes Hellblau und, in selteneren Fällen, 

auch Grün, kurz, eine so prachtvolle, typisch kleinasi i- 

Farbensymphonie, daß sie uns manche Mängel im 

Aufbau und in der Zeichnung I ißt. 

Typisch für dm Ladik sind die Tulpenstengel, die 
■ inen Teil des Mittelf« Ides füllen. 

h m Motiven w Slüi k 

u datii i«-ii al i li rt. 

Man neigl in Händler- und Sammlerkreisen dazu, 
ttep] ' isiatischen 

älter einzu chätzeri h sind. 

















Größe 1,30X1,48. Alter Mitte lS . Jahrh. ca. r 4 oo Knoten auf ndcm 

Mappe I Kleinasien Tafel 8 ( 4 ) 

Kleinasiatischer Gebetteppicli 

(sog. Uschak, auch Siebenbürgen) 



Mappe I Tafel 8 (4) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbals; 



In Uschak finden wir eine Teppichmanufaktur, die sich 
von der frühesten Zeit bis in unsere Tage erhalten hat. 
Dort werden Teppiche in den verschiedensten Ausführun- 
gen gefertigt, was Knüpfung, Muster und Format anlangt. 
(Vgl. Mappe II, Tafel 2.) 

Das vorliegende Stück, das ein aus einer Vase aufsteigendes 
Blütenmotiv im Mittelfelde zeigt, hat Ähnlichkeit mit 
dem des chinesischen Teppichs auf Tafel 58. Das gleiche 
Muster finden wir in den sogenannten Siebenbürgentep- 
pichen aus noch früherer Zeit, die aller Wahrscheinlichkeit 
nach in der Gegend von Konia entstanden sind. 

Typisch für die vorliegende Teppichklasse ist eine ziemlich 
feine und feste Knüpfung, wie wir sie in Uschakteppichen 
mit anderen Mustern und Größen aus derselben Zeit nicht 
mehr antreffen, eine weiche, glänzende Wolle und ein grün- 
liches Hellblau mit viel Lüster. 

Be onders interessant an unserm Stück ist die wohlgelun- 
gene Borte, wie sie in den sogenannten Damaskusteppichen 
des 17. Jahrhunderts vorkommt. Wir treffen gleiche 
1 Uumenmotive auf Fayencen (sog. Rhodus- und Damaskus- 
1 ayencen) und Kacheln aus derselben Zeil an, Diese Borte 
wirkt bestimmend auf das Alter, trotzdem Uschakteppii hi 
mit fast demselben Muster im Innenfelde bis in unsere 
Tage mit stets fort-.' breitem l< Im Verfall, besonders lucb 

in J.<i l''.ti U-ii'rl ' i w.i.l.'n. 



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Größe ca. 0,80 x 1,10. Alter 1. Hälfte 19. Jahrh. ca. 1000 Knoten auf ndcm 

Mappe I Kleinasien Tafel 9(17 

Kleinasiatischer Teppich (Bergamo) 



Mappe I Tafel 9 (17) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 

von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Das alte Pergamon der Griechen ist seit Jahrhunderten der 
Sitz einer ausgedehnten Teppichmanufaktur, kommt aber 
auch als Ausfuhrort sämtlicher Erzeugnisse der ländlichen 
Bevölkerung des kleinasiatischen Hinterlandes und der 
zwischen Armenien und dem Westen nomadisierenden 
Volksstämme in Betracht. 

Deshalb tragen alle diese Teppiche, die im Handel sehr 
häufig sind und sich in der Wiedergabe zum Teil uralter, 
rein türkischer Muster mit stets geometrischer Tendenz in 
der Art der Knüpfung und Wolle und des immer vorhan- 
denen, meist mehrfach gestreiften Kelims an den Schmal- 
seiten sehr ähneln, den gemeinsamen Namen Bergamo. 

Kette und Schuß sind immer aus Wolle, und das Knüpf- 
material hat oft einen starken Glanz und hohen Flor. Durch 
diesen hohen Flor erscheinen sie in der Knüpfung sehr 
viel gröber, als die meisten von ihnen sind. 

Als Ergebnisse einer primitiven Kunst sind sie sehr kräftig 
in der Farbe, aber trotzdem gut abgestimmt. Darin und 
in vielen anderen Punkten ähneln sie den Teppichen aus 
dem Kaukasus. Sie sind in ihren unerschöpflichen Unter- 
schieden sehr interessant und sammelnswort. 



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MASS. A< 




Größe ca. 1,70x2,20. Alter Ende 18. Jahrh. ca. Soo Knoten auf Cdcm 

Mappe I Kleinasien Tafel 10 (iS) 

Kleinasiatischer Teppich (Bergamo) 

Besitzer: Herr Dr. Rudolf Lothar, Berlin 



Mappe I Tafel 10 (18) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 



nach R. v. Oettingen 



Werner Grote-Hasenbalg 



Dieser Teppich aus der näheren Umgebung von Bergamo 

war wohl für den europaischen Bedarf angefertigt. Seiner 

Anlage nach stellt er die Kopie eines kleinasiatischen Ge- 

l' i teppichs dar (vgl. Mappe II Tafel 3). 

ml finden wir in den Schmalseiten noch die Ampeln. 

1 ler '1 eppieb ist schon aus einer recht späten Zeit, denn 
der Mittelstem hat seine schöne Form verloren. 

Das Henkelkreuz, ein vorgeschichtliches, religiöses Syin- 

bol, konunt in der primitiven Ornamentik fast sämtlicher 

Völker di 1 Erde — z. B. auch der Inka vor. 





Größe ca. 1,70 x 2,20. Alter um 1800. ca. 1000 Knoten auf Cdcm 

Mappe I Kleinasien Tafel n (19) 

Teppich aus dem nordwestlichen Kleinasien 
(Bergamo, auch Yürük) 

Besitzer: Herr Ernst Rothe, Berlin 



Mappe I Tafel n (19) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingeti 
von 

Werner Grote-Hasenbaljr 



Eine Ähnlichkeit dieser Teppiche mit dem sogenannten 
Sternenuschak in Mappe II Tafel 2 ist nicht zu verkennen. 

1 1 Leppicb ist, wie viele kleinasiatische, meist mitBer- 
reppiche, falls sie vorwiegend 1 
trische Motive aufweisen, von den bis zu dem Marmara- 
meer nomadisierenden Turkmenenstämmen der Yürüks 
gefcrtigti die wohl bei ihren Raubzug! Motive 

nlernten, sie in sich aufnahmen und mit ihren lir- 
lichen, 1 1 11 Mustern vermi chten. 

ppichi der Yiu iik ind bau au h i i :hej Ziegen- 
wolle geknDpft und haben sowohl in Farbe wie Anlai 

Ähnlichkeit mit kauka ischen Teppichen 
1 durch ihre 1 
1 irbi ngebun ädere Wolle 

und wi .chiedene, typisch he Motive unterschi iden. 






— J 





Größe 1,50x1,80. Alter 18. Jahrh. ca. 1150 Knoten auf Gdcm 



Mappe I 



K 1 e i 11 a s i e n 



Tafel 12 (22) 



Teppich aus dem östlichen Kleinasien (sog. Bergamo; 

Besitzer: Herr Dr. med. W. v. Oettingen. Berlin-Zehlendorf 



Mappe I Tafel 12 (22) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Unser Teppich vertritt den Haupttyp der Nomadentep- 
piche aus dem östlichen Kleinasien. 

Die streng geometrische Art des Musters und die hieraus 
bedingte Einfachheit in der Formengebung haben dazu 
beigetragen, daß sich eine gute Tradition bei den Bergamos 
viel länger erhalten hat als bei den naturalistisch aufge- 
bauten Teppichen. 

Ähnliche Muster mit derselben feinen Knüpfung finden 

wir schon in den sogenannten Holbeinteppichen aus dem 

16. Jahrhundert. 

Eine gewisse Ähnlichkeit des vorliegenden Haupttyps mit 

turkmenischen Mustern Zentralasiens ist vorhanden (vgl. 

Tafel 44 und Mappe II Tafel 10). 

Viele Volksstämme Kleinasiens sind mit den zentral. t-ia- 
tischen Turkmenen eng verwandt, woraus sich die Ähn- 
lichkeit der Teppichmuster erklärt. 



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Größe 1,55x1,85. Alter iS. Jahrb. ca. 1000 Knoten auf Qdcrn 

Mappe I Kaukasus Tafel 13 (29) 

Teppich aus dem südlichen Kaukasus (Gendscheh) 



Mappe I Tafel 13 (29) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Der vorliegende Gendscheh charakterisiert am besten eine 

gewisse Teppichgruppe der Kaukasusländer mit ihren 

unzähligen Varianten. Zu dieser Gruppe gehören auch die 

sogenannten Kasaks. 

Teppiche wirken wie Plakatkunst. Je stärkerin der 
. je naiver komponiert, desto packender sind diese 
che, wenn sie mit echten Pflanzenfarben gut gi 

hte diese Tafel ein bis zwei Meter vom 
entfernt, und man sieht, welch hinreißend suggei tive 
Kraft die Nachkommen der mongolischen Horden Tschingis 
Kh ms und Timurlengs in Farbe und Zeichnung ihrer Tcp- 
piche entwickeln." 

hehs und Kasaks sind Teppiche d 

eiden sie sich auch merklich von 
n- der P 1 anderer kaukasischer Volks- 

i ' 1 e haben eim 

Hui eine nicht allzu ber so originell 

1 Lnter- 
en kau] 

1 

mpfin- 

i 1 n. 



'."v(D v;.-' 





Größe 1,25x2. Aller 19. jahrh. ca. 1000 Knoten auf Ddcm 

Mappe I Kaukasus Tafel 14 (31) 

Teppich aus dem nordöstlichen Kaukasus 
(sog. Tschetschi) 



Mappe I Tafel 14 (31) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Nach Berichten des Forschers Radele, des Begründers des 

ethnographischen Museums in Tiflis, leben in den Bergen 

des Kaukasus etwa dreihundertfünfzig Volksstämme mit 

annähernd hundertfünfzig Sprachidiomen. 

So mannigfaltig wie die Mundarten dieser Stämme sind ihre 

Teppichmuster, oft von Dorf zu Dorf verschieden und mit 

charakteristischen Eigenarten. 

Der Tschetschi ist ein Teppich mit streng geometrisch 
aufgebauter Zeichnung, dem neben tiefem Blau eine grün- 
liche Gesamtstimmung eigen ist, und dessen Typ, nur mit 
kleinen Abweichungen, stets derselbe bleibt. 

Kr wird von dem cisi u Volksstamm der Tsche- 

tschenien im nordöstlichen Kaukasus gefertigt, ist kurz- 
haariger und spröder im Griff als die Kasaks, und die 
\\ olle li it wpnig ^ilonz. 



V^AvV 





Größe 1,00 X 1,70. Alterum 1800. ca. 1200 Knoten auf Odern 

Mappe I Kaukasus Tafel 15 (3: 

Teppich aus dem südlichen Kaukasus 
(Seichur oder Kuba) 

Besitzer: Herr Dr. O. Eck, Düsseldorf 



Mappe I Tafel 15 (32) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbaler. 



! 111 Kaukasus haben sich durch ilie hohen Berge und schüt- 
zenden Klüfte die Eigenarten der Volksstämme auf dem 
Gebiete der Kunst viel länger erhalten als bei den Völkern 
fruchtbarer Ebenen, wo in der bewegten Geschichte Asiens 
im Laufe der Zeilen ein Volk das andere überrannte und 
verdrängte und dadurch oft die bodenständige Künst ver- 
nichtete. 

Deshalb ist auch eine genaue Altersbestimmung der kau- 
kasischen Teppiche sehr schwer, da eine Veränderung im 

.Muster kaum eingetreten ist. 

Gewisse Ähnlichkeiten und Zusammenhänge swisi hi n dem 
vorliegenden Vlusti c und einigen älteren armenischen 
teppichen, wie sieh einer im Kaiser-Friedrich-Museum zu 
l lei üii befindi 1 . äi heim n u bestehen. 1 )ie l lordüre 1 igl 
ein au dem altgi iechischen < »rnament, genannt „1 '■ 
laufende Hund", entstandenes Motiv, das in dieser Vus- 
führun ; füi den Seil hu: 1 j pisch ist. 



Der Flor de 



1 1 hi her als der der übrig* n Schir- 
wanti 1 ipiche. 





Größe 1.15 x 1,60. Alter 19. Jahrh. Wirktechnik 

Mappe I Kaukasus Tafel 16 (35) 

Gewirkter kaukasischer Teppich (sog. Sumakh) 

Besitzer: Herr Universitätsprofessor Dr. Werner Spalteholz, Leipzig 



Mappe I Tafel 16 (35) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalc 



Im Schutze der hohen Berse des Kaukasus hat sich die 

ältere Technik des Teppichwirkens, im Gegensatz zum 

Teppichknüpfen, bis in unsere Tage erhalten. 

Die Sumakhs aus Kuba, im Scbirwandistrikt, sind viel 
fi iner gearbeitet und fester im Griff als die aus Derbent, 
im nördlichen Teile des Kaukasus. Sie unti - 
deshalb genau >o wie die geknüpften Teppiche beider 
Distrikte; dei Qtteppiche haben im Muster mit 

le Ähnlichkeit, sind 
iber viel g] id schlechter in der 

I Muster — man findet in älteren 
1 Palmel ten und ein 
- sind die Kuba sumakh : denen aus 1 1 
tn den Formaten findet man die Sumakhs bis zu 
D .:,5o x 3,50 in; selir Inuili |uadra- 

b'orm. 

Ich wegen ihrer Farbe und Musterung sehr zu 
und Wohnzimmern, auch eu Diwanüberwürfen 
nicht an. 1 
Sammelwert besitzen. Da sie mit dei Nadel gearbeitet 
ind, hangen aui dei Rückseite die Fadenenden bi 



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Größe 1,30 x .2,95. Alter ig. Jahrh. ca. i^oo Knoten auf dem 

Mappe I Kaukasus Tafel 1 7 (38) 

Teppich aus der Moghansteppe 



Mappe I Tafel 17 (38) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Die (rohe Lebensbejahung der Nomaden der Moghan- 
steppe drückt sich in dem leuchtenden, lebhaften und 
trotzdem künstlerisch vollendet komponierten Farbenspiel 
ihrer Teppiche aus. Darin haben die Teppiche große 
Ähnlichkeit mit den Kasaks und Gendschehs; denn ihre 
Knüpfer sind ebenfalls Tataren. 

In der festen, sauberen Knüpfung und dem kurzen Flor 

wie auch tri der reichen Zeichnung nähern sie sich aber 

In den Schirwans als den Kasaks. 

Die Bordüre isi Eür diese Teppichklasse sehr typisch. 



V rM f h^.V 



R WILUAMS1 
\-\ HASS. 



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Größe o,So x 1,75. Alter um 1800. ca. 1200 Knoten auf Gdem 

Mappe I Kaukasus Tafel 18 (42) 

Teppich aus dem Karabaghdistrikt (Schuscha) 



Mappe I Tafel 18 (42) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Die Teppiche der Provinz Karabagh südlich des Kaukasus 

leiten geographisch und auch ornamental in die persische 

Kunst über. 

Die Art der Behandlung von Medaillon und die Eckeintei- 
lung (Zwickel) sind rein persisch, die Blumenfüllung jedoch 
primitiv und abgezackt. 

Es ist hier der Einfluß armenischer Kunst mit ihrer Vor- 
liebe für geometrische Figuren, der die Karabaghperser bei 
der Behandlung von Blumenmotiven zu Stümpern macht 
und selbst das einfache Heratimuster und Zentralmotiv 
in abgezackter Form wiedergibt. 

Auch die Borte in diesem Teppich hat durch ihre Schmal- 
heit kein richtiges Verhältnis zum Ganzen. 

In den Mustern sind sie außerordentlich vielseitig. In 

den Farben entsprechen die meist so wenig geachteten 

Karabaghs hohen Anforderungen. 

Hier ein lichtes Moosgrün, Blauschwarz und Weinrot, 
eine uns in älteren persischen Teppichen geläufige Farben- 
uing — oft auch eine Sandfarbe aus der Naturwolle 
des Kamels mit ('■riin, Cochenillerot und 'Weiß. Gerade 
die Cochenilletönung i I in reppichendei Länder zwischen 
Ai menii a und d< m Kauka ;us von all Gebi auch 

(vgl. Mappe 11, Tafel 26 und da« zu Mappe II, Tafel 25 

;te). 



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Größe ca. 1,40x1,80. Aller 1. Hälfte 19. Jahrh. 1500 Knoten auf Ddcm 

Mappe I Nordpersien Tafel 19 ( 45 ) 

Nordpersischer Kurdenteppich (Bidjar) 



Mappe I Tafel 19 (45) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Der Bidjar hat eine für ihn typische, sehr harte und feste 

Knüpfung auf doppelter Kette, einen ziemlich hohen Flor 

und eine hierdurch bedingte, große Haltbarkeit. 

Er ist sehr schwer im Gewicht, und man sagt von ihm, 
er liege wie ein Brett. 

Nach den angegebenen Punkten ist er als Bidjar leicht zu 
1 rkennen. Das vorliegende Stück ist eins der Vorbilder für 
die Anfertigung der Teppiche zum europäischen Bedarf. 

Eine symmetrische Einteilung des Fonds in Ecken und 
Medaillons findet man bei den Bidjars häufig. Oft steht 
diese Einteilung in einem Unifonds, der aus der Natur- 
wolle des Kamels, wie hier, geknüpft ist. Heute aller- 
dings zeigt er häufig einen nicht farbechten Cremeton. 

1 1 . Blumenmuster von Fond und Borte smrl stets eckig 
und abgezackt. 



"<$rti fr<^ 





Größe ca. x, 3 o x 2 ,oo. Alter lg . Jahrh. ca. x 5 oo Knoten auf "den 

Mappel Nordpersien Tafel 20 (46) 
Nordpersischer Kurdenteppich (Bidjar) 



Mappe I Tafel 20 (46) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Im vorliegenden Bidjar kommt als Blumenmuster im Fond 
das Heratimuster zur Anwendung, das vom Ausgang des 
18. Jahrhur derts ab, zusammen mit dem sogenannten Zen- 
tralmotiv (vgl. Mappe II, Tafel 29), Gemeingut in ganz Per- 
sien wird. 

Ursprünglich jedenfalls in Herat, dem östlichen Kaukasus, 
zu Hause, finden wir das Muster im 16. Jahrh. zuerst auf 
den im Handel mit Ispahan bezeichneten Teppichen, un- 
gruppiert in freier Rankenführung, verziert mit Wolken- 
bändern, über den Fond verteilt. Von Mitte des 17. Jahr- 
hunderts ab beginnt die freie Flächeneintcilung aufzu- 
hören, und die Blumenmuster gruppieren sich um eine 
durch Ranken gebildete Raute. Das Lanzettblatt, ursprüng- 
lich von geringer Bedeutung, wird länger und tritt in den 
Vordergrund. Oft verschwindet dann auch schon das Wol- 
kenband, und die Päonie, einst das Hauptmotiv, beginnt 
zurückzutreten. 

Stattdessen drängt sich ein ursprünglich nebensächliches 
Zeichnungsmomeut in den Vordergrund: mit beginnender 
Gruppierung der Hauptmotive bildeten die die Päonie ver- 
blndenden Ranken zwangsläufig kleine Rauten, die mit 
fortschreitendem Verfall immer mehr betont wurden und 
sich zum Hauptmotiv entwickelten. 








Größe 1,20 x i, 80. Alter um 1S00. ca. 1400 Knoten auf r dem 

Mappe I Nordpersien Tafel 21 ( 47 ) 
Nordpersischer Kurdenteppich (Bidjar) 



Mappe I Tafel 21 (47) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



In diesem Teppich finden wir im Fond ein reizvolles Vasen- 
motiv mit Granatäpfeln, wie wir diese auch in chinesisch- 
turkestanischen Teppichen antreffen (vgl. Tafel 60). 

In Nordpersien erleben wir bei Beginn des 18. Jahrhunderts 
eine Nachblüte der klassischen Periode, allerdings mit zahl- 
reichen Spuren des Verfalls. Besonders die Garten- und 
Vasenteppiche, auch verschiedene Tierteppiche, wurden 
hier nachgebildet. So hat auch das vorliegende Stück An- 
klänge an die Vasenteppiche. 



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Größe ca. 1,50x2,50. Alter 19. Jahrh. ca. Soo Knoten auf Gdcm 

Mappe I Nordpersien Tafel 22 (51) 

Nordwestpersischer Nomadenteppich (Mossul) 



Mappe I Tafel 22 (51) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Während wir bei den vorhergehenden persischen Teppichen 
einen gewissen Anklang an vergangene Zeiten und reichere 
Muster antrafen, ist dies ein Teppich des einfachen Mannes, 
der, unberührt von den ihn umgebenden Vorgängen, aus 
seiner eigenen, primitiven Kunstauffassung schöpfte. 

Sowohl was Farbengebung wie das einseitig diagonale 
Muster anlangt, erinnert das vorliegende Stück an Kunst- 
erzeugnisse primitiver Völker aller Zeiten und Gegenden. 

Das einzig Interessante an diesem Stück ist die Farben- 
gebung. Durch das Aneinanderreihen von Komplementär- 
farben, die an sich lebhaft sind, wird hierein gedämpfter, sehr 
harmonischer Farbenklang erzielt, der wohl beabsichtigt 
ist, da sich die Augen seines Verfertigers von der blen- 
denden Sonne seiner Steppen, in denen er wanderte, auf 
ihm ausruhen wollten. 



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Größe i,55 x i ; 88. Alter Anfang lS Tahrh ra 

* iö. janrh. ca. 900 Knoten auf -dem 



Mappe I Nordpersien Tafel 23 (,,) 

Nordwestpersischer Nomadenteppich (MossuJ) 

Besitzer: Herr Dr. Eck, Düsseldorf 



Mappe I Tafel 23 (52) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg; 



Die einfachen Teppiche Nordpersiens werden mit dem 
Namen Mossul bezeichnet, da sie in dieser Stadt gesam- 
melt werden und von hier aus in den Handel kommen. 
Sie werden von verschiedenen Nomadenstämmen Nord- 
und Mittelpersiens gearbeitet und sind von sehr unter- 
schiedlicher Qualität. 

Gemeinsam ist ihnen eine ziemlich lockere Knüpfung. 
Während aber einige eine schöne, glänzende Wolle auf- 
wi isen, sind andere in der Wolle stumpf und tot. Letzteres 
erklärt sich daraus, daß zu ihrer Herstellung die Wolle ge- 
fallener Schafe (Kadaver wolle) verwendet wird. 

Das vorliegende Stück wirkt trotz seiner einfachen und 
chlichten Farbengebung ehi reizvoll, und auch in den 
Borten finden wii 1 echt interessante E in 1 Ihei t< n um 1 eine 
befi iedigende l inienfühi un 



^M^rf^V 







Größe ca. 1,40x1,90. Aller ig. Jahrh. Gobelin techuik 

Mappe I Nordpersien Tafel 34 & 

Nordpersischer Kelim (Senne) 



Mappe I Tafel 24 (53) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Bei den Sennekurden findet man außerordentlich fein, oft 
auf seidener Kette geknüpfte Teppiche, bei denen bis zu 
7500 Knoten auf den .Quadratdezimeter kommen. Ihre 
Muster (meist ein abgezacktes Heratimustcr) sind gewöhn- 
lich uninteressant und entsprechen nicht der auf ihre Her- 
stellung verwendeten Mühe. 

Vielfach interessanter als die Teppiche der Sennekurden 
sind die von ihnen nach Art der Gobchntechnik gefertigten 
Kelims. Zwar sind ihre Muster die gleichen wie auf den 
Tcppichen, aber sie sind äußerst fein gewirkt und im G egen- 
satz zu den Gobelins der europäischen Manufaktur auf bei- 
den Seiten rechts. Auch treffen wir meistens zwischen den 
Kettfäden keine Lücken an, wie diese in den analolischen 
Kelims beim Aufhören einer Farbe fast immer vorhanden 
sind. Das gibt ihnen die für einen Kclim erstaunliche 
Haltbarkeit. 

Während alte Stücke außerordentlich vornehm in der 
Farbengebung — ein feines Rosarot, lichtes Blau und 
leuchtendes Gelb, oft auf weißem Fond — wirken, ist mit 
dem Eindringen der chemischen Farben dein natürlichen 

1 11 1.. 11 .. hin.nl. einei Hersteller und damit dem Werl 

(l(T Still IvC .Hl. IIIU1T1T /i'il ll.\, C.l.ll' M" I .il.. 11. 








Größe 1,30x4,50. Alter um 1800. ca. 1000 Knoten auf dem 

Mappe I Mittelpersien Tafel 25 (55) 

Teppich aus Mittelpersien (Hamadan ■ Mianeli) 



Mappe I Tafel 25 (55) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



In der Umgegend von Hamadan finden wir eine äußerst 

ausgedehnte Teppichmanufaktur, von der schon in der 

klassischen Zeit berichtet wird. 

Die Verwendung von Kamelhaar für Teppiche ist in dieser 
Gegend uralt. 

1 >as vorliegende Stück, dessen Muster mit seiner Rose von 
Schiraz für einen nicht alten Hamadanteppich außerordent- 
lich genannt werden muß, verwendet das Kamelhaar in 
heller und dunkler Schattierung. Die Farbenkomposition 
mit Rosarot, Hellblau und Grün auf bräunlichem Grunde 
ist hervorragend schön. 





Größe 1,75x3,95. Alter ig. Jahrh. ca. 1000 Knoten auf Gdcm 

Mappe I Mittelpersien Tafel 26 (56) 

Mittelpersischer Teppich (Hamadan — sog. Serabend) 



Mappe I Tafel 26 (56) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 

von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Teppiche mit dem bei uiii sehr bekannten Muster werden 
,1 1 niiiiii — ein Name, der keine örtliche Bezeich- 
nung sein kann, da es einen Ort auch nur ähnlichen Namens 
in Persien nicht yibt. Mit altpersischer Tradition hat das 
Muster nichts mehr zu tun; denn ein ostpersisches Muster 
(Palmwipfel), wie wir es in der indo-persischen Kunst und 
den ostpersischen Schals finden, ist hier als alleinige Fond- 
füllung verwendet. 

Leider fallen nicht alle Stücke so gut aus wie das vorlie- 
: denn oft ist die Hauptfarbe entweder grell gelb 
od und t. Di an p lhaften Farben wer- 
den durch mini I 1 vei 1 1 ■ ; Wollraatcrial | K idävi cwolle) 
durch die mangelhafte Vorbereitung der Wolle vor 

dem Färbeprozeß, als deren Folg hl 1 au 

Farbe aufm innen kann, hervorgerufen. 

Kette und SchuQ Ind wie bei den meisten persischen Tep- 
pichen aus Baumwolle. 






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Größe i,6o x 3,50. Aller Anfang 19. Jahrb. ca. 1000 Knoten auf dem 

Mappe I Mittelpersien Tafel 27 (57) 

Mittelpersischer Teppich (sog. Mir) 

Besitzer: Herr Daniel Heydenreich, Sno Paulo (Brasilien 



Mappe I Tafel 27 (57) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Dem vorigen im Muster fast gleich, unterscheidet sich 

dieser Teppich doch wesentlich von ihm in Wollmaterial, 

Farbe und Knüpfung. Der Unterschied zwischen ihm und 

dem Serabend liegt in der Art des Knoten-. 

Während der Serabend, viel loser geknüpft, die typi 
flache Haniadanknotung aufweist, wirken die Knoti 
Mir wie kleine Nagelköpfchen, ähnlich den Teppichen der 
Karagoesli, eines Nomadenstammfcs der Hamadang 

I >ii \\ olle ist hart und hoch glänzend und der ganze Tep- 
pich sehr kurz geschoren. Infolgedessen kommen auf der 

r« n Wolle die Farben — meist Rot, oft Blau und in 

eltenen 1 allen Altgold - - viel mehr zur Geltung. 

ruhigen F u benv\ u kung, in der ol 1 kl 
wirkende Muster fehlen, kann er für un 1 
außerordi ntlicher Wirkung sein, die ihm und dem ihn 
wandten Sei ab ndti ppii b eine n iße Beliebt heil ein 1 
tragen habi a. 



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Größe ca. 1,20 x 1,80. Alter 19. Jahrh. ca. 1500 Knoten auf dem 

Mappe I Mittelpersien Tafel 28 (58) 

Mittelpersischer Teppich (Ferahan) 

Besitzer: Herr Assessor Müller, Charlotten bury 



Mappe I Tafel 28 (58) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Die Ferahanteppiche sind zusammen mit den vorgenannten 
Serabends von jeher sehr beliebt gewesen und waren die 
ersten Gebrauchsteppiche, die in neuerer Zeit nach Europa 
kamen. Bei den älteren Ferahans hatte diese Beliebtheit 
ihre Berechtigung; denn sie sind zwar nicht sehr fein, 
aber außerordentlich fest geknüpft, mit einer harten und 
oft glänzenden Wolle und kurzen Schur. 

Die Qualität hat unter der steigenden europäischen Nach- 
frage heute sehr gelitten. 

Das Heratimuster ist in Ferahans sehr häufig. Das Orna- 
ment hat die Eigenart, aus drei verschiedenen Entfermn gen 
betrachtet, vollständig verschieden zu wirken; das eine Mal 
bilden leichte Wellenlinien das Hauptornament, da 
Mal scheint der Teppich in scharfe Quadrate eingeteilt, 
während drittens bei ganzer Betrachtung alle Hauptorna- 
menti 1 chwinden.und der Teppich, fein geblümt," ohne 
Liniensystem sich darstellt. 



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Größe 1,25x2,00. Alter i. Hälfte 19. Jahrh. ca. 1800 Knoten auf Ddcm 

Mappe I Mittelpersien Tafel 29 (59) 
Mittelpersischer Teppich (Ferahan) 



Mappe I Tafel 29 (59) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Das vorliegende Muster hängt mit dem Zentralmotiv zu- 
sammen (vgl. Mappe I, Tafel 31 und Mappe II, Tafel 29). 

Farblich ist der Teppich außerordentlich interessant und 
schön, wie wir überhaupt in Ferahanteppichcn oft pracht- 
volle Farben antreffen. Der Fond unseres Teppichs ist ein 
tiefes Blau-Schwarz im Gegensatz zu Teppichen späteren 
Datums, bei denen zur Erzielung der tiefen Farbe statt des 
pflanzlichen Indigos Gallsäure verwendet ist, worunter 
Glanz und Haltbarkeit der Wolle leiden. 

Unter den Farben besonders bemerkenswert ist hier das 
Violettin den Blumensträußen der Borte, das nur in allen 
Ferahanteppichen aus den ersten zwei Drill ein des 19. Jahr- 
hunderts häufiger vorkommt. 



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Größe ca. 2,10x5,50. Alter um 1S00. ca. 2000 Knoten auf Hdcm 

Mappe I Mittelpersien Tafel 30 (61) 

Mittelpersischer Teppich (Ferahan) 



Mappe I Tafel 30 (61) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Teppiche mit dem vorliegenden oder ähnlichen Muster 
wurden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in den südlichen 
Ferahandistrikten in der Nähe von Dschouschegan her- 
gestellt. Sie zeichnen sich durch sorgfältig geknüpfte 
Muster aus. 

Das vorliegende Stück zeigt Anklänge andasHeratimustcr 
und das Zentralmotiv. Der Fond läßt noch Arabesken- 
blätter erkennen. In der recht naturalistischen Borte 
kommt das schöne Grün und das zarte Rosa älterer Fera- 
hanteppiche gut zur Geltung. 

Das Muster dieser Ferahanteppiche ist später in d< n 0- 
genannten Mahalls und Muschkabads, die ebenfalls aus 
dem ii'llichcn FerahariHistrikt stammen, kopiert wordi a. 





Größe ca 1,20x3,50. Alter Anfang 19. Jahrb. ca 1500 Knoten auf Ddcm 

Mappe I Mittelpersien Tafel 31 (63) 
Mittelpersisch. Teppich (sog. Dschouschegan) 

Besitzer: Herr Fregattenkapitän Scheibe, Berlin 



Mappe I Tafel 31 (63) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Das vorliegende Zentralmotiv (vgl. Mappe II, Tafel 29), 
das neben dem Heratimuster eine so weite Verbreitung 
gefunden hat, kommt nicht nur in reinpersischen, son- 
dern auch in zentralasiatischen (Beludschistan und Bok- 
hara) bis zu den chinesisch-turkestanischen Teppichen 
aus Kaschgar vor. 

Im Handel wird das Zcntralmotiv in der vorliegenden 

Form mit der vollerblühten Blume in Seitenansicht mit 

Dschouscheganmuster bezeichnet. 

in dem vorliegenden ryp gehört das Muster farblich 

und zeichnerisch zu den schönsten Errungenschaften 

neuzeitlicher persischer Teppichknüpfkunst. 



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Größe :,oox5,oo. Alter um 1S00. ca. 1500 Knoten auf Qdcm 

Mappe I Mittelpersien Tafel 32 (ö 4 ) 

Südwestpersischer Teppich (Suitanabad) 



Mappe I Tafel 32 (64) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Der Teppich erinnert in der Art des Aufbaus noch an die 
sogenannten Vasenteppiche. Das Muster zeigt die voller- 
blühte Rose von Schiraz, rautenförmig eingefaßt von Zy- 
pressen. Dieses Stück ist ein Vorläufer der heute sehr 
ausgedehnten Manufaktur der Distrikte um Suitanabad. 
Die Erzeugnisse werden Muschkabads und ihre besondere 
Qualität im Handel Mahalls genannt. 

Unter ihnen finden wir die am gröbsten geknüpften persi- 
schen Teppiche, ganz im Gegensatz zu den aus einem an- 
dern Teile des Ferahandistrikts kommenden Sarukteppi- 
chen, diezwar recht fein geknüpft sind, aber eine sehr steife 
Linienführung haben. 








Größe ca. 0,80 x i.ro. Alter um 1S00. Sumakhtechnik 



Mappe I Mittelpersien Tafel 33 (od) 

Satteldecke aus Südwestpersien (Kirmanschah) 

Besitzer: Herr Generaldirektor Roßdeutscher, Berlin 



Mappe I Tafel 33 (66) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkimst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Die Herstellung von gewirkten Teppichen hat sich in Per- 
sien nur noch in der Gegend von Kirmanschah erhalten. 
Als Fondfüllung des in den Farben sehr harmonisch ab- 
gestimmten Stückes werden verschiedene Bordürenmotive 
mit einem südpersischen Blütenbäumchen verwendet. 

Neben gewirkten Tcppichen kommen im südwestlichen 
Persien auch Kelims vor, die auf beiden Seiten rechts sind, 
aber nicht die gleiche Feinheit in der Zeichnung wie die 
Scnnekclims haben. Sie zeigen eckige, rein geometrische 
Figuren, ähnlich den kleinasiatischen Kelims, mit großen, 
meist prachtvoll gefärbten Unifläcüen. 



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Größe ca. Ij3 o x 3 ,oo. Alter x. Hälfte ig. Jahrh. ca 3 Knoten anf den, 

Mappe I S ü d O s t p e r S i e 11 Tafel 34 (68) 
Südostpersischer Teppich (Kirman) 



Mappe I Tafel 34 (68) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Einer der edelsten Perserteppiche ist der Kirman. Solange 
die Zeichner der Kirmanteppiche ihre eigenen Tradi- 
tionen zur Richtschnur nehmen, leisten sie Vorzügliches 
im Ausdruck eines reinen, persischen Blumenstils. Wenn 
sie aber nach europäischen Motiven greifen, verflachen sie 
in der Linienführung. 

Erstaunlich ist, daßin Kirman heute noch von eingeborenen 
Kräften wahre Glanzleistungen an phantasiereichen Neu- 
schöpfungen hervorgebracht werden. 

Zwar läßt sich beiunserm Teppich ein europäischer Einfluß 

in der perspektivischen Gestaltung der Blumen erkennen, 

ibi 1 der Teppich besitzt doch noch eine eigene, reizvolle 

Note. 

An der reichen Zeichnung aui weißem Grunde und der fei- 
nen, festen Knüpfung ist der Kirman des ig. Jahrhunderts 
mit Sicherheil zu 1 1 kenm n 

Da 11 ,1 gi 11 h hnete Mittelmedaillon wird sorgfältiger in 

keinem kla ischen reppich wiederholt. Die Arabesken 

zeigen nichts von Steifheil und Verknöcherung. 



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Größe ca. 1,40 x 2,30. Alter 1. Hälfte 19. Jahrh. ca. 1S00 Knoten auf Z dem 

Mappe I Südpersien Tafel 35 (69) 

Südpersischer Nomadenteppich (Kaschkai) 



Mappe I Tafel 35 (69) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbale: 



Die Schirazteppiche werden von Nomadenstämmen tür- 
kischer Zunge im dünnbevölkerten Südpersien gefertigt. 
Sie kommen von Schiraz oder Mekka aus in den Handel, 
daher ihr Name. Unter ihnen ragen die Teppiche der Kasch- 
kai-Nomaden durch die feine, weiche und glänzende Wolle, 
sorgfältige Knüpfung und harmonische Formen- und 
Farbengebung hervor. 

Hier i > t das Hauptmotiv ein aus Blumensträußen sich for- 
mender Palmwipfel. 



^vtitr^. y 




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Größe ca. 1,30x2,00. Alter 19. Jahrh. ea. 1500 Knoten auf cdcm 

Mappe I Südpersien Tafel 36 (70) 

Südpersischer Nomadenteppich 
(Schiraz- oder Mekkateppich) 



Mappe I Tafel 36 (70) 

Meisterstücke orientalischer Knüpf kunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Etwas haben die Teppiche der primitiven Bevölkerung — 
hauptsächlich Nomaden — der entferntesten Distrikte mit- 
einander gemeinsam: Ihre einfachen geometrisierten Muster, 
oft diagonale Streifen (vgl. Tafel 22) und die eingestreuten, 
stilisierten Haustiere und Vögel (vgl. Mappe II, Tafel 35). 

F.in Granatäpfeln gleichendes Moth ist in Schirazteppi- 
chen keine Sel'tenheit. 

Von den Farben sind neben dem bräunlichen Rot ein 
leuchtendes Gelb und l Hau bemerkenswert, während große, 
Flächen in den Sehirazteppichen sehr störend wir- 
ken können. 



V.-T^rUTTf^ 





Größe ca. 1,40 x i, So. Alter 19. Jahrb. ca. 1400 Knoten auf "dem 

Mappe I Südpersien Tafel 37 (71) 

Südpersischer Nomadenteppich 
(Schiraz- oder Mekkateppich) 



Mappe I Tafel 37 (71) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbälg 



Die südpersischen Nomadenteppiche sind je nach dem 
Volksstamm sehr unterschiedlich in Qualität und Muste- 
rung. Neben sehr fein geknüpften, aus bester, glänzender 
Wolle gefertigten Stücken finden wir auch grob geknüpfte, 
stumpf wirkende. 

Das vorliegende Muster fällt gegen das auf der vorhergehen- 
den Tafel abgebildete Stück durch seine langweiligen, dia- 
gonalen Streifen sehr ab. 

Wie bei den meisten Nomaden teppichen läßt sich bis zur 
Mitte des vorigen Jahrhunderts von einem eigentlichen 
Verfall nicht sprechen, da sie sich wohl schon in früherer 
Zeit durch ähnliche, primitive Muster von den Teppichen 
der seßhaften Bevölkerung unterschieden haben. Erst die 
Einfuhr der chemischen Farben hat hier zerstörend 
gewirkt. 



^ ^M f h^ 








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— . . 



Mappe I Tafel 38 (73) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Der Teppich gibt uns noch einen Begriff von dem, was 
einst persische Knüpfkunst bedeutete. 

Erhöht wird die Wirkung durch die weiche, allerdings 
nicht glänzende Khorassanwolle. 

In der Farbe zeichnen sich die meisten Khorassanteppiche 
durch eine zarte Pastellwirkung aus. 

Die Medaillon- und Eckabteilung ist in unserem Stück, 
den altpersischen Traditionen getreu, au-gelührt. Aber 
die sorgfältige Durcharbeitung fehlt. Die große, unge- 
musterte Unifläche ist ein Zeichen für die erlahmende 
orientalische Phantasie. 

Immerhin gehören die älteren Khorassanteppiche zu den 
besten persischen Erzeugnissen des 19. Jahrhunderts. 



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Größe ca. 3>20 x 5,00. Alter , Hälfte xo. Jahr,, ca. 7 oo Knoten auf -dem 

Mappe I Ostpersien Tafel 39 t74> 

Ostpersischer Teppich (Khorassan - Khain) 



Mappe I Tafel 39 (74) 



Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Hie Khorassanteppiche sind außerordentlich verschieden 

in der Dichtigkeit der Knüpfung und in der Sorgfalt der 

Ausführung; aber die Feinheit der besten Senne- und Kir- 

manteppiche wird nicht annähernd erreicht. 

Aus der Gegend von Khain kommen heute die gröbsten 

Khorassans. 

Der Fond unsers Stückes zeigt ein schon beim Scrabeml 

(vgl. Mappe I, Tafel 26) erwähntes Schalmuster, ein heute 

besonders im östlichen Persien sehr beliebtes Motiv, das 

den Schals aus Khain entnommen ist. 




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Größe ca. 2)2 ox 5) oo. Alter i. Hälfte ig. J ah rh. ea. 1600 Knoten auf Cdem 

Mappe I Ostpersien Tafel 40 (75 

Ostpersischer Teppich (Khorassan) 



Mappe I Tafel 40 (75) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingon 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



1 großen Verbreitung des Heratimu lerTep- 

picli 1 lach nicht sofort zu bestimmen. \i gesehen davon, 

c solchen Bes neisti ns \\ Olli 

Struktur maßgebend, und letztere bei Khorassantepj 

besonders leicht kenntlich sind, zeigt doch ein gewisser 

Schwung, eine elegante Linienführung i 1 1 der Art der 

Wiedergabe dieses Musters bei unserm Teppich schon in 

der Reproduktion Khorassan als Herkunftsort an. 

Hier wirkt im Herati musti Kante 

nders auffällig. Je i lehr die Raute 

Päonie, das Lanzet! 

ifel |i), wirkt das Musler in seinei teindruck 

oft Weiß ■ ndet, was die 

llwirkung dieser Teppich! ' 

' t, 





Größe i, So x. 1,50. Alter 1. Hälfteig. Jahrh. ca.iSoo Knoten auf |dcm 

Mappe I Ostpersien Tafel 41 (77) 

Ostpersischer Teppich (Herat) 



Mappe 1 Tafel 41 (77) 



Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 



Werner Grote-Hasenbalg 



In Erinnerung an vergangene Zeiten werden alle besseren 

Khorassanteppiche, besonders wenn sie das Heratimuster 

auf dunkelblauem Grunde zeigen, im Handel Herattep- 

piche genannt. 

Es gibt weit schönere Stücke, als unsere Tafel zeigt, in 
denen das geschwungene Lanzettblatt größer und deut- 
licher hervortritt, und die Raute dagegen verschwindet. 

In diesem Teppich markiert sich das Heratimuster durch 
auf der Spitze stehende Rhomben, die durch die weißen 
Kreuzblumen betont werden. Die Heratborte ist schon 
recht abgezackt und ohne Sorgfalt in der Eckführung 

wiedergegeben. 

Farblich 1 1 wenig einzuwenden. Man wird 
gröber gezeichneten Ferahanteppiche mit dem Herati 
mustex in ähnlicher Farbenstimmung den Heratteppichen 
1 , 1. n Haltbarkeit im Gebrauch vorziehen. 






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Größe 2,00 x 3,90. Alter um 1800. ca. 2000 Knoten auf dem 



Mappe I 



Ostpersien 



Tafel 42 (78) 



Ostpersischer Teppich (Khorassan) 

Besitzer: Herr Kriegsgerichtsrat v. Hedenberg. Stockholm 



Mappe I Tafel 42 (78) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 

von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Wir haben einen für seine Zeit außerordentlich schönen 
Teppich vor uns, dessen feines, wiederkehrendes, an das 
Zentralmotiv (vgl. Tafel 29 und 31) erinnerndes Muster 
durch immer neue Farbenspiele in den einzelnen Rappor- 
ten belebt wird, wovon die Reproduktion nicht annähernd 
einen Begriff gibt. 

Es hegt viel Schwung in den Linien und Sinn in der 
Ausführung der Palmetten. Auch die Borte, in besseren 
Khorassanteppichcn nicht selten, zeigt feingeführte Blu- 
menranken. 

Für ein schweres, dunkel gehaltenes, ernstes Zimmer kann 
man sich keinen schönern Teppich denken. 








Größe ca. 2,00x3,00. Alter etwa 100 — 150 Jahre, ca. 3000 Knoten auf Ddc 



Mappe I 



Trans kaspien Tafel 43 (80) 



Turkmenenteppich — Teke-Turkmene (sog. Bokhara 

Besitzer: Herr Dr. Ramsey, New York 



Mappe I Tafel 43 (80) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Der vorliegende Teppich ist neben dem sogenannten Afghan 
der bekannteste und begehrteste unter allen Turkmenen- 
teppichen. Er heißt fälschlicherweise im Handel Bokhara, 
trotzdem er vom Stamme derTekinen (Teke) gefertigt wird. 

Seine Wertschätzung verdankt er dem höhen, seidenartigen 

Lüster der Wolle, den hierdurch bedingten, leuchtenden 

Farben und der feinen Knüpfung, die in alteren Stücken 

3500 Knoten aui den d\ m erreicht. 

Die Farbe des Grunde schwankt zwischen einem tiefen, 
kraftvollen Ochsenblutrot und Braun mit allen Zwischen- 
schattierungen. Je näher er (Jer Farbe des Ochsenblutes 
kommt, und je feiner die Knüpfung ist, um so wertvoller 
i<t der Teppich. 

DasMu ii hi ißt „Fliegender Adler" und bleibt bei dies« m 
Typ mit kaum irgendwelchen U)änd ets das 

Schöne, echtfarbige Stücke in guter Erhaltung 
sind heute im I [andel sehr selten. 

! lii l in ! . 1 1 i • nenteppiche h il t durch dii 1 1 oberungen 

dei Km en in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhun- 
dei 1 i und die 1 ii führun dej Uülinfai ben eine Wert- 
minderung erfahren De halb'spiell bei ihnen für die Wer t- 

:i auch da Vltet de Si ückes nicht die 
1 : . -11. w ie bei den pei isi heu reppichen 1 b eit < ich ni< hl 
urrt i eugni e dei let ten vierzig 1 .'in e hat 



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Größe 0,90 x r,35. Alter etwa 100— 150 Jahre, ca. 3000 Knoten auf Ddcm 

Mappe I Transkaspien Tafel 44 (82) 

Zelttasche der Teke-Turkmenen 



Mappe I Tafel 44 (82) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkurist 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Die Knüpfteppiche ersetzen bei den Turkmenen alles, was 
bei uns zum Mobiliar des Hauses gehört. Die Zelttaschen 
ersetzen Truhen und Kommoden und bergen alle Habselig- 
keiten des turkmenischen Hausstandes. 

Hier handelt es sich um ein besonders kostbares Stück, 
da wohl den Stolz der reichen Turkmenenbraut ausmachte ; 
denn wir linden in ihm die ausgiebige Verwendung von 
Seide neben Baumwolle für das Weiß der Zeichnung. 

Der Teppich sollte gewiß die textile Wiedergabe eines 

reichen Mosaiks darstellen. Das Muster wird „Rose der 

Saloren" genannt. 

Es kommt iu ähnlicher Ausführung auch in kleinasiati- 

chen Teppichen vor, worübei schon gesprochen isl (vgl. 

Tafel 1 i und Mappe II, Cafel 10). 

Die Saloren sind der vornehmste Volksstamm untei der 
Turkmenen; zu ihnen gehören auch die rekes. Sie noma- 
disieren in der ( )a ii ngegi ad von Merw. 



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Größe ca. 1,40x1,75. Alter: etwa 60 — 100 Jahre, ca. 2000 Knoten auf ; Jcm 

Mappe I Transkaspien Tafel 45 (86) 

Turkmenenteppich -- Pendeh (sog. Kisil-Ayak) 



Mappe I Tafel 45 (86) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalsr 



Dem Teke-Turkmenen macht an Beliebtheit das Pendeh- 
Hatschlu in der vorliegenden Form den Ruf streitig, wohl 
nicht nur wegen seiner durch die Verwendung von Baum- 
wolle hervorgerufenen, mosaikartigen Wirkung, sondern 
auch wegen seiner für einen Turkmenen teppich sehr ab- 
wechslungsreichen Zeichnung. 

Das Format ist fast immer das gleiche, weil die Teppiche 
in der Heimat als Zelttüren (Enessy genannt) dienen, trotz- 
dem ihreMuster sie als Gebetteppiche kennzeichnen. ,,Dem 
Zeltbewohner erscheint natürlich das, was er nicht be- 
sitzt, beneidenswert — feste Wohnsitze mit schönen, holz- 
^eschnitzten Türen. Daher sollen die Teppichtüren die 
schweren Kerbschnitzereien und Perlmuttereinlagen der 
Holztürerj lii, auf die Täfelung nachahmen." 

in der bis ins einzelne gehenden Ausführung dieses im 

Muster fast unverändert wiederkehrenden Typs zeig! er 

sich als richtiger Turkmenenteppich mil seinem deutlich 

ausgebildeten Palmettebaum. 

Vui li Seide kommt in den, im Handel mit Kisil-Ayaks be 
zeichneten, Teppichen n.l>cn l'.aumwolle stellenwrU. 1 
Knüpfmaterial vor. Stücke aus der Voranilinzeit sind 
heute im Handel sfhr selten (vgl, Mappe 11, Tafel n 
und \z). 



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«ILLIWSM 
IJ NM». 




Größe ca. 1,80x3,00. Alter etwa So— 100 Jahre, ca. -500 Knoten auf Cdcm 

Mappe I Trans kaspie 11 Tafel 46 (SS) 

Teppich der Yomud-Turkmenen 

Besitzer: Herr Otto Dissen, Hamburg 



Mappe I Tafel 46 (88) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oetlingen 

von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Von der bis jetzt behandelten Teppichgruppe unterscheidet 
sich die yomudische recht wesentlich. Der Teppich unsrcr 
Tafel zeigt den bestgelungenen und schönsten Typ der gan- 
zen Gruppe, gefertigt von einem yomudischen Volksstamm, 
der nach R. v. Oettingen vorwiegend in Persien nomadisiert. 

In dem Lüster der Wolle, dem tiefen Rot des Grundes, dem 

leuchtenden, grünlichen Blau der Zeichnung wetteifert er 

mit den besten Erzeugnissen der Teke-Turkmenen. 

Statt der Kelims finden wir bei ihm meist durchgeknüpfte 
Vorstöße. 

Die grünlich-blaue Zeichnung mit weinrotem Grunde isl 

in der Wertschätzung dem mehr braunvioletten Grunde 

vorzuziehen. In wertvollen, alten Stücken ist der Typ so 

gut wie ausgestorben. 



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GröS ca o'' 0X0 ' 90 - AUer 6tWa 6 °- I0 °J ah - ca. «S Knoten auf D dc m 
Große ea. o, 7 o x o, 9 o. Alter etwa 6o- 100 Jahre, ca. ,000 Knoten auf Zdem 

Mappe I Transkaspien Tafel 47 (91) 

1. Zelttasche der Tschaudpren (Khiwa) 



2. Turkmenenzelttasche 



Mappe I Tafel 47 (91) 
Meisterstücke orientalischer Knüpf kirnst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbals: 



1. Den nördlichsten Teil des turkmenischen Gebietes zwi- 
schen dem Kaspischen Meere und dem Aralsee bewohnen die 
turkmenischen Stämme der Tschaudoren und Ersaren. Ihre 
Teppiche kommen von der Stadt Khiwa aus in den Handel 
und werden deshalb auch Khiwateppiche genannt. 

Ihre Muster sind sehr abwechslungsreich und oft von natu- 
ralistischen Zügen belebt. In der Knüpfung sind sie meist 
gröber als die vorher besprochenen Gruppen. Die Polygone 
werden durch blumenbesetzte Ranken in rautenförmiger 
Anordnung gebildet, ein Motiv, das uns in transkaspischen 
Teppichen wegen des naturalistischen Zuges auffallen muß 
und nur in diesen Teppichen aus der Umgegend von Khiwa 
vorkommt. Der Grund ist in Eisenviolett oder in schönem 
Kastanienbraun gehalten. 



2. Das Gittermustcr in Turkmenenteppichen kommt nur 

in älteren Zelttaschen und nicht gerade häufig vor. Es 

zeugt entschieden von chinesischem oder ostturkcst.ini- 

schem Einfluß (vgl. Tafel 59). 

Das Bild zeigt noch Reste der lang herunterhängenden 
Fransen, die diese Zelttaschen ursprunglich in der Heimal 

schmückten. 



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Transkaspien Tafel 48 „ 

1 lirk menenteppich (Afghan) 



Mappe I Tafel 48 (95) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Goldafghans nennt der Handel diese heute fast ver- 
schwundenen Teppiche mit dem leuchtenden Orange- 
gelb. 

Im Handel werden die Afghans, die wenig Weiß haben, am 
meisten geschätzt, trotzdem auch in älteren, sorgfältig ge- 
arbeiteten Stücken die stellenweise Verwendung von Weiß 
sehr häufig ist. 

Der wirklich^ Wert eines guten Afghans liegt in der Fein- 
heit der Knüpf ung, der Weichheit und dem Glanz der Wolle 
und der leuchtenden Kraft des Rots statt des üblichen 
Brauns. 

I iji \i ■ 1 1 . 1 1 1 - aus dem Beschirgebiet sind viel lockerer in 
dl ' Knüpfung (ca. 600 — 800 Knoten), haben gröbere Wolle, 
viel Weiß und das für Beschirteppiche typische, ■ 
sprochene Gelb in der Zeichnung (vg!. Tafel 50). 





Größe 1,35x^,70. Alter etwa So Jahre, ca. 1200 Knoten auf Ddcm 

Mappe I Trans kaspien Tafel 49 (97) 

Turkmenischer Teppich (Beludschistan) 



Mappe I Tafel 49 (97) 

Meisterstücke orientalischer Knüpf kunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Die turkmenischen Stämme, die die sogenannten Belud- 
schistanteppiche anfertigen, befinden sich beständig auf 
der Wanderung, von den Grenzen Beludschistans und 
Afghanistans durch ganz Ostpersien bis nach Samarkand. 
Daher treffen wir in ihren Teppichen oft direkt persische 
Muster. 

Die düstere Farbenstimmung in unserm Teppii b gibt 
den Beludschistan wieder, aber sein Muster, das" Zentral- 
motiv (vgl. Tafel 31), und die Borte (vgl. Tafel 1.2) sind 
rein persisch. 

Vußer det Farbengebung weisen die Beludschistans noch 
eine andere Eigentümlichkeit aui : Sie enden Fast immer in 
1 in oi ;fälti ; ausgeführten, mehrfarbigen Kelims, die teil- 
weise broschiert sind. 



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Größe ca. 1,80x3,00. Alter etwa 80 Jahre, ca. 1500 Knoten auf C dem 

Mappe I Transkaspien Tafel 50 (99) 

Bokharaischer Teppich (Herati-Beschir) 



Mappe I Tafel 50 (99) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Die bol hart - h n ["eppii he, deren Erzeugungsgebie.t von 
der Gegend um Herat hinaufreicht l>ir- nach Samarkand, 
werden nach der landesüblichen Aussprache des Wortes 
Bokhara im II indel Be 1 hii genannt. AI- ihre Ei 
kommen nicht nur Nomadenst ämme, nicht nurniongi J 
Völker in Betracht, sondern auch seßhafte, teilweise arische 
ölkerun tii hten. 

An Typen ist der Bi ; reichhal w'n die kaukasi- 
chen [eppiche. Neben rein geometrischen Mustern kom- 

1 1 per 1 1 he Mi itn e u. a. das Her ttii 
vor. In unsei ibqrdüre den Fond. 

in ihn 1 nl liehen 

l in km nenteppicheri rd in den B 1 I onders ein 

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1 Uni , in d von den Turkr 

arch o! 
1 : 

liglich prunk- 
i .11. 








Größe 1,76x3,00. Alter- etwa 8o^Jahre. 1300 Knoten auf ndcm 

Mappe I Trans kaspien Tafel 51 (100) 

Bokharischer Teppich (Wolkenband-Beschir) 

Besitzer: Herr Dr. Martens, Berlin 



Mappe I Tafel 51 (100) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbals: 



Unser Tcppich zeigt uns ein in Beschirs nicht seltenes 
Motiv, diagonal laufende Volutcnkelcbe, die einem Wol- 
kenband nicht unähnlich und vielleicht aus einer Kom- 
bination beider entstanden sind. Wir sehen in diesem Be- 
schir das so häufige Verschwimmen von Blau in eine grün 
liebe Tönung. 

Stücke dieser Art in guter Erhaltung bestechen durch die 

I tenden Farben, deren Schönheit noch durch den 

edanz der Wolle gehoben wird. 

In der Knüpfung sind die Beschirs meist locker, für gewöhn- 

iut 800 — 900 Knoten auf den rjdcin. Es kommen 

11 1 ih auch grotie Maße vor. Der Bcsrhir gehört zu 









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Größe ca. 2,00 x 4,00. Alter etwa So Jahre, ea. 1200 Knoten auf _dcm 

Mappe I Trans kaspien Tafel 52(101; 

Bokharischer Teppich (Beschir) 



Mappe I Tafel 52 (101) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Unsere Tafel zeigt einen Teppich, der heute sehr selten 
und im Handel kaum mehr zu haben ist. Auch hier 
scheint ein ostpersisches Vorbild, vielleicht auch das Muster 
der Teke-Turkmenen (vgl. Tafel 43), zur Entstehu" 

ters beigetragen zu haben. Das Gittermuster erinnert 
allerdings schon in der ganzen Behandlunng an chini 
Vorbilder. 

Das Muster des Mittelstücks geht hier ganz grundlos in ein 
anderes, aus stark stilisierten Palmetten gebildetes, über. 



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Größe 1,03 x 1,53. Alter etwa 100 Jahre. 900 — 1000 Knoten auf [ dem 

Mappe I Transkaspien Tafel 53 (102) 
Bokharischer Gebetteppich (Beschir) 



Mappe I Tafel 53 (102) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Der Teppich zeigt ein mattes, ins Bräunlich-Gelbe spielen- 
des Rot, wie es manchen Beschirs eigen ist. Die Borte 
wird hier so wenig markiert, daß sie kaum als solche 
kenntlich wird, trotzdem sie einen großen Teil des Teppichs 
einnehmen soll. 

Am Grunde der Gebetnische erkennen wir eine kleine 

Vase, aus der eine Trauerweide emporwächst, deren Be- 

krönung wieder drei Granatäpfel bilden. 

Das Bortenmotiv soll den chinesischen Phönix andeuten. 

Es kommt auch, über den Fond verteilt, in anderen Be- 

schirteppichen vor. 

Daß der persische Charaktej in den Beschirs von Einfluß 
blieb, i:-t nicht zu verwundern, wenn man sich vergegen- 
wärtigt, daß während der Mongolenzeit in Bokhara, Samar- 
kand und später in Herat die Grundsteine für die neuzeit- 
liche Kunst Persiens gelegt wurden. Unser Teppich ist 
ein sehr interessantes Beispiel einer Mischung von west- 
lichen und östlichen Elementen (vgl. Mappe II, Tafel 50). 



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Größe ca. 1,35x3,00. Alter etwa 40— 50 Jahre, ca. Cco Knoten auf „dem 

Mappe I Transkaspien Tafel 54 (105) 

Kirgisenteppich 



Mappe I Tafel 54 (105) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Die Kirgisen bewohnen die weiten Steppen vom Kaspischen 
Meere bis nach Ostturkestan und tief hinein nach Sibirien. 

Die Kunst des Teppichknüpfens haben sie von den Turk- 
menen übernommen. Eigene Muster besitzen sie nicht, son- 
dern entnehmen ihre Motive entweder den turkmenischen 
oder , mehr nach Osten hin in der Gegend des Pamyrpla- 
teaus, den ostturkestanischen Teppichen. 

Wirklich schöne Knüpferzeugnisse entstehen nur bei den 
Kirgisenstämmen des Amu Darja. Weiter nach Norden 
werden ihre Teppiche immer gröber. Der Teppich unserer 
Tafel erinnert im Muster stark an chinesische Vorbilder 
und ist mehr interessant als schön. 



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Größe ca. 1,20x2,50. Alter 19. Jahrh. ca. 700 Knoten auf Ddcm 

Mapps I Ostturkestan Tafel 55 (107) 
Kaschgar-Teppich (sog. Samarkand) 



Mappe I Tafel 55 (107) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-HasenbaL? 



Kascbgar-Teppiche, deren Schuß fast immer aus 
dunkelbraunem Kamelhaar besteht, haben sehr häufig 
breite, kurze Läuferförm. 

Das Mittelstück des Teppichs besteht meistens au 
uniroten Fläche, die mit Medaillon? wechselt. Dies 
daillons sind mit Sternblumen, Granatäpfeln oder einem 
Rankenwerk gefüllt. Das Zentrum des Mittelmedaillon 
im ers Ti ppi< hs zeigt ein symbolisches Schriftzeichen, 
i 1 he Schu (Glück) in 

tüi ks ist für ostturkestanische 
ition aus der 

symboli lenD llung dei 1 et 1 ab . Die äußere 

■ ■ unchinesisch und erinnert an die- 
n Nebenborten persischer Votbilder. 





Größe 2,00 x 3,80. Alter r. Hälfte 19. Jahrb. ca. 600 Knoten auf - den 

Mappe I Ostturkestan Tafel 56(11, 

Kaschgar-Teppich (sog. Samarkand) 



Mappe I Tafel 56 ( 1 10) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Dieser Teppich wirkt sowohl zeichnerisch wie in der Farben- 
gebung außerordentlich derb und hart. Durch die dunklen, 
fast schwarzen Konturen der gelben Zeichnung erhält er 
ein besonders steifes Gepräge. Das Konturieren geschieht 
in Ostturkestan wie im westlichen Asien in dunklen Far- 
ben. Aber es erfolgt, gleichwie bei manchen Turkmenen- 
und Kirgisen teppichen, mittels der fast schwarzen Wolle 
des zweihöckrigen Kamels, nicht mit Wollmaterial, das 
durch Gallsäure braunschwarz gebeizt ist. 

Nur im Blau finden wir eine gewisse Nuancierung des Farb- 
tons. 

Die geschwungenen, arabeskenähnlichen Kelchblätter des 
Mittelstückes erinnern an die Zeichnung des Teppichs auf 
Tafel5i und lassen einen westlichen Einfluß erkennen. 

Die gitterartige Anordnung der aus Blüten gebildeten 
Hauptborte zeigt den chinesischen Einfluß. 

In seinem Gesamteindruck hat der Teppich entsch 
etwas von der Härte und der Rohheit des Kirgisentep- 
pichs (vgl. Tafel 54). 



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Größe 1,80x3,50. Alter Ende 19. Jahrh. ca. 600 Knoten auf _dcm 



Mappe I 



Ostturkestan Tafel 57(111) 



Kaschgar-Teppich (sog. Samarkand) 

Besitzer: Herr Geheimer Kommerzienrat Liebermann, Berlin 



Mappe I Tafel 57 (111) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Der Aufbau der symmetrisch eingeteilten Quadrate des 

Mittelstückes zeigt den chinesischen Einfluß (vgl. Mappe II, 

Tafel 56). In zwei unteren Quadraten erkennen wir die 

chinesische Fledermaus. 

Die in dem Teppich vorkommenden zahlreichen Borten 
wirken dürftig und arm im Vergleich zu allen chinesischen 
Vorbildern. Die zweite innere Seitenborte füllt ein Orna- 
ment, wohl die verbildete chinesische Wolke, das in dieser 
Form, soweit festzustellen war, erst seit der zweiten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts in ostturkestanischen Teppichen er- 
scheint und sehr unschön wirkt. 

Farblich ist der Teppich deshalb interessant, weil er der 
einzige Teppich des Werkes ist, der chemische Farben ein- 
hält. Der rötlich-violette Ton, der in ostturkestanischen 
und chinesischen Teppichen sonst unbekannt war, wird 
durch das wenig lichtechte Fuchsin erzielt, das ursprüng- 
lich blaurot, mit der Zeit einen immer graueren, violetten 
Ton annimmt. Im vorliegenden Stück wirkt die chemische 
Farbe ausnahmsweise nicht störend, wenigstens nicht in 
der Wiedergabe. Die neueren Erzeugnisse aus Ostturke- 
stan sind fast durchweg mit unechten Farben gi 
In ihrem blauroten Ton, dem schreienden Gelb und Grün 
sind diese neuesten Erzeugnisse Ostturkestans an Häßlich- 
keit der Farbcngebung kaum zu überbieten. 

Gechlorte Teppiche dieser Art werden häufig für wertvolle 
Antiquitäten gehalten und zu entsprechend hohen Preisen 
verkauft. Demgegenüber sei gesagt, daß ältere, wirklieh 
typische K 1 cbgarteppiche immer eine gewisse Kraft der 

fund l'öne enthalten, nie 

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Mappe I Tafel 58 (112) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 



nach R. v. Oettingen 



Werner Grote-Hasenbalg 



Reihengebetteppiche aus Chinesisch-Turkestan, die für die Moscheen 
der mohammedanischen Bevölkerung bestimmt waren, sind im Han- 
del nicht gerade selten. Ältere Stücke sind vielfach aus Seide, ge- 
knüpft auf einem Grund von Silber- und Goldfäden. Die Einteilung 
dieser Teppiche in Gebetnischen geschieht wohl nach kleinasiatischem 
Vorbilde (vgl. Tafel 6); dort sind Reihengebetteppiche seit Jahrhun- 
derten im Gebrauch. Bei dem regen Handelsverkehr der Westküste 
Kleinasiens mit dem fernen Osten und bei der Gemeinsamkeit des 
Glaubens war es wohl mögüch, daß die westliche Anordnung dieser 
Gebetteppiche im Osten neu erstehen konnte. 

Außer der weichen Farbengebung zeigt unser Teppich nichts Chine- 
sisches. Die Blumenfüllung der Zwickel erinnert an die anatolische 
Nelke, und die aus Vasen aufsteigenden Blütenbäume sind ebenfalls 
mit anatolischcn Nelken, der westlichen Palmette unil der Kreuz- 
blume behängt. Oft sind die Gebetnischen auch durch große, stili 
sierte Chrysanthemen und geometrische Figuren ausgefüllt, was 
ziemlich steif und langweilig wirkt. Die zarte, nach bräunlichem 
Lachsrot spielende I irbi an ers Teppichs isl für die sogenannten 
Samarkands typisch und wirkt, zusammen mit der übrigen Farben- 
mg, sehr fein und di 

Die Vorlage, ist voretwas mehr als einem Jahrzehnt vonR. v.Oet- 
I igu da- 

zu: „Da vo i ndi Stück habe ich allerdings nicht aus einet Mo- 

a\ in. in u freiem Himmel arbeitenden Tisch 

ler uiüi r ei ok ckauft, und zwar in Chi) 

iiilt man für antike Stücke 600 jooo Mark. 

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Mi isterstücl r küi ' • ti ten Kultur- 

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Größe ca. i >2 o x 2,50. Alter 19. Jahrh. ca. 700 Knoten auf [ den 

Mappe I O s 1 1 u r k e s t a n Tafel 59 (113) 
Kaschgar-Teppich (sog. Samarkand) 



Mappe I Tafel 59 (113) 

Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 
von 

Werner Grote-Hasenbalg 



Das Gittermuster des Mittelslückes findet sich in gleicher 
Ausführung nicht selten in chinesischen Teppichen, aber in 
viel weicherer Farbenstimmung, meist auf gelblich und 
orangefarbenem Grunde. Außerdem wird der Chinese das 
Gittermuster nie allein auf dem gegensätzlichen Grunde 
wirken lassen. Er wird den Hintergrund des Gitters mit 
zartgetönten Blumen füllen, dadurch die Kontraste Mi- 
meiden und eine weiche Überleitung erreichen. 

Das chinesische Vorbild hatte der Knüpfer dieses Teppichs 
noch im Gedächtnis, allerdings ohne zu verstehen, welche 
Absicht ihm zugrunde lag, und welche farbliche Aufgabe es 
zu lösen hatte. Der Knüpfer aus Kaschgar hat, wies] 
in die unteren Gitter einige Kreuze in Erinnerung der 
chinesischen Blumen eingezeichnet. 

1 >ii Iluuptborte des Teppichs ist, wie Tafel 57 zeigt, inost- 
turkestanischen Teppichen recht häufig. Das Blavi der 
1 titterzeichnun ; gehl an den Rändern ^f Hein 'lau über und 

hat, ZU .111:111. 11 um dein Rot, ein. 
kr.it t. 



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Größe ca. 2,00x4,00. Ater um 1S00. ca. 800 Knoten auf Odem 

Mappe I Ostturkestan Tafel 60 (n 4 ) 

Seidenteppich aus Kaschgar 



Mappe I Tafel 60 (114) 
Meisterstücke orientalischer Knüpfkunst 

nach R. v. Oettingen 

von 

Werner Grote-Hasenbaler 



In diesem Teppich begegnen wir (vgl. Mappe II, Tafel 53) 
us Vasen aufsteigendes Astwerk mit Granatäpfeln, 
während die Borte durch typisch chinesische, geome- 
trische Figurationen gebildet wird. 

Dil Farbengebung des Teppi hr fein und harmo- 

nisch abgestimmt. Die Saide gibl dem Krapp, ähnlich den 
1 ran kaspischen 1 Ion. 

1 istturkestans gleich den Chinesen keine 
\ii i tei i 1 1 1 Knüpfen sind, zeigt dieser Teppich. Sie wissen 
mit dem feinen Knüpfmatcrial der Seide wenig anzufangen, 
ond in schlingen ihren Kn< iten 1 

Wolle. 

1 ig und 
1 chön als die wollenen. Der Teppich kommt, zu- 

sten den besten Kn qs aus der- 

bei trifft.